Vorwort von Magister Günther Moschig:

 

Fritz ComplojerKunst hat immer mit dem Menschen zu tun, der sie macht. Das Verhältnis des Künstlers zu seinem Werk war in der Kunstgeschichte aber immer ein wechselvolles, geprägt von Nähen und Distanzen. Die subjektive Handschrift als Ausdruck einer inneren Befriedlichkeit des Künstlers war zuletzt in der europäischen Nachkriegskunst der maßgebliche und entscheidende Informationsträger eines Bildes. Die informelle Malerei der 50er Jahre und im Anschluß daran der Wiener Aktionismus forcierten das subjektive Element. Die Wiener Aktionisten mit einer noch nie dagewesenen Radiklität und Konsequenz, die bis heute nachwirkt.

Der Stubaier Maler Friedrich Complojer, im hinteren Teil des Stubaitales von der Künstlerwelt abgeschieden, ist in diesem Spannungsfeld zu sehen. Als Autodidakt hat er sich seit den 80er Jahren mit der Kunst dieser Zeit auseinandergesetzt. Complojer kennt die Übermalungen Arnulf Rainers und die Schüttbilder von Hermann Nitsch. Deren religiöser Ansatz ist es auch,der ihn besonders fesselt.
Complojer kennt aber auch die Geschichte der Tiroler Malerei der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Landschaftsmalereien von Alfons Wade oder Egger-Lienz waren es auch, die ihn der Kunst nahebrachten. Bis heute verfolgt er neben den abstrakten Bildern auch eine realistische Malerei. Hier ist es vor allem die nächste Umgebung, Almen, Gehäfte und Berge, die er in Ölbildern festhält. Zeigt sich in diesen Bildern das Naturtalent des Malers, so ist es doch die expressive-abstrakte Malerei, in der er seinen wahren Ausdruck findet.
Complojers Bilder sind sehr persönlich. Es ist seine Biografie, und hier der Tod seines Vaters, der ihn immer wieder zu neuen Bildern anregt. Kunst ist ihm in erster Linie Therapie.
Complojer malt sich frei.
Dabei reagiert er auf alles was ihn bewegt, das können persönliche Erlebnisse sein, aber auch globale Ereignisse wie Naturkatastrophen. Die Farbe wird ihm darin immer mehr zum entscheidenden Ausdrucksträger.
Friedrich Complojer vertritt in seiner abstrakt-realen Malerei einen expressiven Standpunkt, und er strebt zum Mysterium. Kunst ist ihm ein Weg zu innerer Erkenntnis. Und weil seine Malerei ehrlich ist und kraftvoll, gelingt auch ihr so etwas wie Seelenerschüttung.

Günther Moschig